Heilig sein heißt Gott gehören: Unter dem persönlichen Bekenntnis „Ich bin ein Heiliger“ spricht Andreas Scharf über eine grundlegende Seite christlicher Identität. Wer zu Jesus Christus gehört, empfängt eine neue Stellung von Gott. Dieser Zuspruch geht einem veränderten Lebenswandel voraus. Im zweiten Beitrag der Reihe „Thementag Identität“ geht es darum, Gottes Geschenk anzunehmen, die eigene Zugehörigkeit zu verstehen und sich im Alltag von ihm gebrauchen zu lassen.
Wer bin ich? Eine Antwort, die über den Personalausweis hinausgeht
Ein Personalausweis nennt den Namen, den Geburtstag, den Geburtsort und die Staatsangehörigkeit. Andreas Scharf beginnt mit der Frage, ob diese Angaben schon erklären, wer ein Mensch wirklich ist. Auch Beruf und Hobbys können etwas über unser Leben erzählen. Die Predigt lädt jedoch dazu ein, die Antwort auf die Identitätsfrage in der Bibel zu suchen: Wozu hat Gott mich gemacht, und was sagt er über mich?
Als Beispiel dient die Anrede am Beginn des Epheserbriefes. Paulus wendet sich an Menschen, die er als Heilige anspricht. Für Andreas Scharf steckt darin ein entscheidender Zuspruch. Diese Menschen erhalten ihre Bezeichnung nicht erst, nachdem sie sich als außergewöhnlich fromm erwiesen haben. Die Anrede richtet sich an die Gemeinde und wird in der Predigt auf Christen in Lippstadt übertragen. Gottes Zusage betrifft ihr gegenwärtiges Leben.
Heilig sein beginnt mit dem, was Jesus getan hat
Der Gedanke „Ich bin ein Heiliger“ kann zunächst ungewohnt klingen. Andreas Scharf grenzt sein Verständnis dabei von dem Bild besonderer religiöser Vorbilder ab, das er mit katholischer Heiligenverehrung verbindet. Im Zentrum seiner Auslegung steht die umgekehrte Reihenfolge: Gott handelt zuerst. Weil Jesus Christus etwas für uns getan hat und wir sein Angebot annehmen dürfen, gehören wir zu ihm. Die neue Stellung ist ein Geschenk.
Dieses Geschenk anzunehmen kann den eigenen Stolz herausfordern. Wer gewohnt ist, sich durch Leistungen zu erklären, muss sich eine Identität zusprechen lassen, die er nicht selbst geschaffen hat. Das nimmt dem veränderten Leben seine Bedeutung nicht. Es setzt aber die Grundlage dafür an die richtige Stelle: Zuerst steht Gottes Zuspruch; daraus folgt die Einladung, entsprechend zu leben. Andreas Scharf betont, dass neues geistliches Leben und Veränderung durch Gottes Heiligen Geist geschenkt werden.
Abgesondert von etwas und abgesondert für Gott
Um das Wort heilig zu erklären, verwendet die Predigt den Begriff abgesondert. An einem bewusst einfachen Bild macht Andreas Scharf deutlich, dass etwas für jemanden bestimmt und in dessen Besitz genommen wird. Entscheidend ist dabei nicht, dass der Gegenstand plötzlich eine bessere Beschaffenheit bekommt. Er erhält eine besondere Zuordnung. Übertragen auf den Glaubenden bedeutet das: Dieser Mensch gehört Gott.
Andreas Scharf unterscheidet dabei zwei Richtungen. Abgesondert von etwas beschreibt die neue Stellung. Abgesondert für jemanden spricht von Beziehung und Bestimmung. Gott ruft Menschen heraus und nimmt sie für sich an. Daraus ergibt sich eine grundlegende Veränderung im Selbstverständnis: Wer zu Gott gehört, betrachtet sich nicht länger als alleiniger Bestimmer seines Lebens. Gottes Annahme und seine Kenntnis unserer Person geben dieser Zugehörigkeit ihren guten Grund.
Auch die in der Predigt angesprochenen geheiligten Gegenstände des Alten Testaments dienen diesem Gedanken. Andreas Scharf deutet Bilder von Reinigung und Einweihung auf Gottes Handeln hin. Ein schlichtes Gefäß wird für einen bestimmten Gebrauch ausgesondert. So soll das Bild helfen, die persönliche Zugehörigkeit zu verstehen: Gott nimmt einen Menschen für sich in Anspruch und gibt seinem Leben eine neue Bestimmung.
Eine neue Stellung verändert den Alltag
Diese Zugehörigkeit führt nicht dazu, dass ein Christ aus der Welt verschwindet. Äußerlich bleibt vieles zunächst gleich. Doch die Beziehung zu Gott als Vater prägt die Frage, wie der Mensch in dieser Welt lebt. Für Andreas Scharf gehören der empfangene Zuspruch und die daraus folgende Lebensgestaltung zusammen. Gott nimmt uns an, wie wir sind, und möchte zugleich Veränderung in unserem Leben bewirken.
Die Predigt macht diese Veränderung an Gedanken und Gewohnheiten konkret. Es kann nötig werden, sich bewusst von Vorstellungen zu trennen, die der biblischen Wahrheit widersprechen. Manches vermittelt angenehme Gefühle oder scheinbare Sicherheit und braucht trotzdem eine ehrliche Prüfung. Andreas Scharf regt an, innezuhalten und Gott darum zu bitten, mit dem eigenen Leben und der gegenwärtigen Situation etwas Neues zu machen. Die Bereitschaft, sich von ihm gebrauchen zu lassen, schließt auch Veränderungen vertrauter Verhaltensweisen ein.
Mit dem Bild des Körpers als Tempel des Heiligen Geistes wird diese Frage sehr persönlich. Wozu möchte Gott mich gebrauchen? Gibt es einen Bereich, über den er mit mir reden möchte? Die Predigt gibt dafür keine allgemeine Liste einzelner Verbote vor. Sie verweist auf das Wirken des Heiligen Geistes im jeweiligen Leben. Gemeint ist auch keine Selbstquälerei, sondern ein Leben, das Gott dienen und ihn ehren möchte.
Gebraucht werden, ohne sich selbst großzumachen
Zur neuen Bestimmung gehört, für andere Menschen da zu sein. Ein Gespräch oder ein hilfreicher Austausch kann ein Weg sein, auf dem Gott jemanden durch uns unterstützt. Die gemeinsame Ausrichtung bleibt dabei der Herr. Andreas Scharf warnt davor, die eigene Weisheit, Begabung oder Bedeutung in den Mittelpunkt zu stellen. Was Gott durch einen Menschen schenkt, bleibt von ihm empfangen.
Das Bild eines Wasserrohrs fasst diesen Gedanken zusammen: Es soll sauber und brauchbar sein, damit das Wasser hindurchfließen kann. Sein Zweck besteht darin, weiterzugeben, was durch es fließt. So verbindet die Predigt Heiligung mit einem dienenden Leben in bewusster Abhängigkeit von Jesus Christus. Die besondere Stellung soll keinen Hochmut erzeugen. Sie führt zu Dankbarkeit dafür, dass Gott Menschen wertschätzt, sie herausruft und sie durch seine Kraft gebrauchen möchte.
Bibelstellen
Epheser 1,1 | 1. Korinther 6,19
Thementage
Wir veranstalten ein bis zweimal im Jahr unsere Thementage bei dem jeweils zwei Brüder an einem Sonntag zu einem bestimmten Thema eine Kurzpredigt halten.
13 PredigtenFrauenfrühstück
Die Frauen unserer Gemeinde treffen sich alle paar Monate zu einem gemeinsamen Frühstück mit einem besonderen Vortrag im Anschluss.
1 Predigt1. Petrus Brief
2 PredigtenJakobusbrief
2 PredigtenEpheser Brief
1 PredigtNikodemus
4 PredigtenThementag Identität
2 Predigten